Die Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Arbeits­welt. Indus­trie 4.0 ist in aller Mun­de, das durch­di­gi­ta­li­sier­te Unter­neh­men für vie­le die Zukunft. Doch bei der Aus­ein­an­der­set­zung mit den Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen der vier­ten indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on haben sich „Poli­tik und Gesell­schaft in den ver­gan­ge­nen Mona­ten mit jeder Men­ge Indus­trie 4.0-Begriffen hoch­ge­jazzt“, ist Ulrich Grau­vo­gel über­zeugt: „Indus­trie und Gesell­schaft sind auf der Rei­se in eine digi­ta­li­sier­te Zukunft, aller­dings mit ziem­lich unter­schied­li­chen Ver­kehrs­mit­teln und auf unsi­che­ren Wegen. So man­ches Unter­neh­men hat schon fest­ge­stellt, dass der schö­ne Cyber-Hub­schrau­ber aus der Wer­bung der IT-Sys­tem­häu­ser ein­fach nicht abhe­ben will. Auf dem Boden der Tat­sa­chen ist man näm­lich eher noch zu Fuß und mit unvoll­stän­di­gen Land­kar­ten unter­wegs.“

Wir haben den Chief Mar­ke­ting Offi­cer (CMO) des Mit­glieds­un­ter­neh­mens Data Ahead GmbH zum Inter­view getrof­fen.

Frage:
Die Daten­flut nimmt kon­ti­nu­ier­lich zu. Immer mehr Daten wer­den pro­du­ziert, in Geschäfts­ab­läu­fe inte­griert und genutzt. Auch Mas­sen­roh­da­ten sol­len für Unter­neh­men immer ver­füg­bar sein. Inwie­weit ist das mach­bar?

Ulrich Grau­vo­gel:
Das durch­di­gi­ta­li­sier­te Unter­neh­men ist heu­te immer wie­der The­ma und wird als Zukunfts­vi­si­on pro­pa­giert. Aber ani­mier­te Maschi­nen­bil­der auf Tablet­com­pu­tern mit Zustands­an­zei­gen oder eine Repa­ra­tur mit Cyber­hand­schuh, von denen viel­leicht man­cher Ser­vice­tech­ni­ker schon träumt, sind nicht so ein­fach rea­li­sier­bar, wie es die Wer­bung man­cher Sys­tem­häu­ser sug­ge­riert. Poli­tik und Gesell­schaft haben sich in den ver­gan­ge­nen Mona­ten mit jeder Men­ge Industrie-4.0-Begriffen „hoch­ge­jazzt“.

Fra­ge:
Wie sieht denn Ihrer Ein­schät­zung nach die Wirk­lich­keit im Ver­gleich zur Visi­on aus?

Ulrich Grau­vo­gel:
Vie­le Fir­men, die jen­seits auf­wän­dig erzeug­ter Pro­to­ty­pen und Fall­stu­di­en, ver­sucht haben, Lösun­gen zu ska­lie­ren, sind auf dem Boden der Tat­sa­chen ange­kom­men. Es macht eben doch einen Unter­schied, ob ein Ent­wick­ler­team eine ein­zel­ne Pum­pe oder Mon­ta­ge­ein­rich­tung für eine Show mit viel Bohei vir­tua­li­siert, oder ob die IT- und IE-Mann­schaft in der Lebens­wirk­lich­keit mal eben 1000 Pum­pen „ins Netz brin­gen“ soll.

Fra­ge:
Wo genau lie­gen noch die Schwie­rig­kei­ten in der Umset­zung?

Ulrich Grau­vo­gel: 
Bei die­sem Bei­spiel wächst die Zugriffs­zeit expo­nen­ti­ell über der Men­ge der an einer Abfra­ge betei­lig­ten und dyna­misch mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Instan­zen. Wenn dann auch noch Mess­tech­nik ver­baut ist, die ver­sucht, die Grö­ße ein­zel­ner Sam­ples klein zu hal­ten, um Daten­men­ge zu spa­ren und des­halb aller­lei Zuord­nungs­ta­bel­len und dyna­mi­sche Adres­sie­rung bemüht, dann wird es inter­es­sant. Dann hilft näm­lich nur noch bra­chia­le Rech­ner­tech­nik und ein hof­fent­lich sta­bi­les Netz­werk. Aber auch das lässt sich nur bis zu einer begrenz­ten Gesamt­da­ten­men­ge wirt­schaft­lich über­haupt dar­stel­len.

Fra­ge:
Wie kann ein rea­lis­ti­scher Lösungs­an­satz und eine erfolg­rei­che Umset­zung aus­se­hen?

Ulrich Grau­vo­gel:
Gegen­fra­gen sind eigent­lich unhöf­lich, aber den­noch: Haben Sie sich noch nicht gefragt, wes­halb es im Inter­net funk­tio­niert, bereits wäh­rend Ein­ga­be eines Begrif­fes in einer Such­ma­schi­ne bin­nen Sekun­den­bruch­tei­len seman­tisch sinn­vol­le Ergän­zun­gen vor­ge­schla­gen zu bekom­men? Hier­aus kann man auch für die Mas­sen­da­ten unse­rer Pro­duk­ti­ons­be­trie­be viel ler­nen: Das Inter­net wächst täg­lich, die Daten­men­ge unse­res täg­li­chen Pro­duk­ti­ons­aus­sto­ßes auch. Lau­fend ent­ste­hen im Inter­net neue SaaS-Pro­duk­te, eben­so oft ent­ste­hen in unse­ren Fabri­ken neue Pro­zes­se, wer­den neue Anla­gen instal­liert und neue Pro­duk­te ange­fah­ren. Die Ana­lo­gi­en sind aus­ge­präg­ter und Lösun­gen nahe­lie­gen­der, als man­cher Tech­no­krat es glau­ben mag.

Voll­in­de­xie­rung, Voll­se­man­tik und pro­fes­sio­nel­les Messa­ge Bro­ke­ring sind eini­ge der Schlüs­sel­wor­te der Archi­tek­tur, die wir für die­sen Zweck ent­wi­ckelt haben. Mit ihr sind auf Peta­byte kumu­lie­ren­de Daten­men­gen beherrsch­bar.  Wenn man eini­ge weni­ge Regeln bei der Homo­ge­ni­sie­rung der betei­lig­ten Daten­lie­fe­ran­ten ein­hält, und vor allem auf Umfor­ma­tie­run­gen der Roh­da­ten ver­zich­tet, blei­ben die­se auf Dau­er robust erhal­ten und eben­so auf Dau­er ein­fach per stan­dar­di­sier­ter web­fä­hi­ger Schnitt­stel­le abruf­bar.

Fra­ge:
Wie wird die­se Archi­tek­tur in der Pra­xis ange­nom­men und ein­ge­setzt?

Ulrich Grau­vo­gel:
Bis­her haben wir die­se Archi­tek­tur mehr als 50-Mal erfolg­reich in der DACH-Regi­on ver­baut. Ers­te Kon­zer­ne begin­nen zudem, sie als uni­ver­sel­les Werk­zeug in ihre Öko­sys­te­me auf­zu­neh­men. Durch die spon­tan mög­li­che Zusam­men­schau aller Roh­da­ten haben die Betrie­be einen stra­te­gi­schen und betriebs­wirt­schaft­li­chen Nut­zen. Hin­zu kommt: Die Mit­ar­bei­ter emp­fin­den Lust statt Frust, wenn sie ihre Pro­zes­se plötz­lich selbst ana­ly­sie­ren kön­nen, ohne ein­ge­klemmt zwi­schen der haus­ei­ge­nen IT, pro­prie­tä­ren Maschi­nen­steue­run­gen und Sys­tem­haus­be­ra­tern ver­har­ren zu müs­sen.

Fra­ge:
Wo sehen Sie hier als IDSA-Mit­glied Schnitt­stel­len und Vor­tei­le des Indus­tri­al Data Space?

Ulrich Grau­vo­gel:
Die IDSA hat in vor­bild­li­cher Wei­se ver­stan­den, sehr nam­haf­te Play­er und ihre jewei­li­gen best-in-class-Kom­pe­ten­zen vir­tu­ell zu wirk­sa­men IIOT-Wert­ket­ten zu ver­bin­den. Wir spü­ren den Unter­schied zu ande­ren Gre­mi­en. Es gibt hier den unbe­ding­ten Wil­len, rea­le Use Cases schnell umzu­set­zen, die­se auch zu Ende zu den­ken und rasch in brauch­ba­re und wirk­lich ska­lier­ba­re Archi­tek­tu­ren über­zu­lei­ten. Pra­xis­be­zug und Feld­er­fah­rung sind zwar noch kei­ne Erfolgs­ga­ran­ten, aber not­wen­di­ge Vor­aus­set­zun­gen. Abseits vie­ler theo­re­ti­scher Beschrei­bungs­an­sät­ze zum Indus­tri­al Inter­net of Things (IIOT) wer­den das Ren­nen näm­lich jene machen, die über rea­len Nut­zen schnell genug pfif­fi­ge defac­to Stan­dards set­zen.

 

Data Ahead GmbH
Data Ahead hat sich vom vor­mals rei­nen Sys­tem­haus für Mess-, Prüf- und Auto­ma­ti­sie­rungs­tech­nik über die Jah­re zum Spe­zi­al­an­bie­ter für indus­tri­el­le Mas­sen­da­ten­lo­gis­tik ent­wi­ckelt. Das inzwi­schen 25-köp­fi­ge Team steht hier­bei nicht im Wett­be­werb mit Sys­tem­in­te­gra­to­ren und Anwen­dungs­häu­sern, son­dern ver­sorgt eben die­se mit spe­zi­ell kon­fi­gu­rier­ten Gate­ways, Edge-Com­pu­ting und Hoch­ge­schwin­dig­keits­ar­chi­tek­tu­ren.